Oberfadenspannung: Was du wissen solltest!

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Die Oberfadenspannung ist enorm wichtig für dein Stickergebnis und wird leider immer wieder völlig verkannt. Häufig wird sogar dazu geraten, niemals die Oberfadenspannung zu ändern, weil „vom Werk her eingestellt“…

Das stimmt so nicht, bzw. wird sehr missverstanden.

Was ist die Oberfadenspannung?

Die Oberfadenspannung bestimmt wie locker oder fest der Stickfaden auf dem Stoff aufliegt.

Im Gegensatz zum Nähen liegt der Stickfaden nur auf dem Stoff auf und wird nicht in der Mitte der Stofflagen vernäht (verknotet). Über die Oberfadenspannung kannst du deiner Stickmaschine „sagen“ wie stramm der Faden abgegeben wird.

Als Richtlinie kannst du dir merken, dass bei einem Satinstich auf der Rückseite der Stickerei bis 2/3 des Oberfadens zu sehen sein sollte, links und rechts gleichmäßig verteilt. Nur etwa 1/3 des Unterfadens sollte in der Mitte zu sehen sein.

Bei anderen Sticharten solltest du darauf achten, dass der Unterfaden auf der Oberseite nicht zu sehen ist.

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Ein sauberes Stickbild für eine Satinraupe zeigt auf der Rückseite den Oberfaden.

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Die saubere Satinraupe auf der Oberseite.

Es hat seinen guten Grund, warum an jeder Maschine die Oberfadenspannung einstellbar ist. Sollten wir die Finger davon lassen, gäbe es keine Einstellmöglichkeit!

Willst du es perfekt haben, muss die Oberfadenspannung für jedes Stickprojekt streng genommen eigens eingestellt werden. Genauso wie du für jedes Stickprojekt das entsprechende Vlies, passend zum Stoff  und die richtige Nadel auswählen solltest, so solltest du auch die Oberfadenspannung daran anpassen. Das Einstellen machst du am besten, indem du einen kleinen Probestick durchführst.

Was passiert, wenn die Oberfadenspannung nicht stimmt?

Ist deine Oberfadenspannung zu stramm (zu fest), dann entstehen rund um die Stickerei lauter unschöne Falten. Vielleicht kennst du dieses Phänomen und hast dich gefragt, was da wohl schief gelaufen ist…?

Leider wird in den Foren und Hilfe-Gruppen in solch einem Fall meist nur auf die Stabilisierung (Stickvlies) hingewiesen. Dazu gibt es oft die abenteuerlichsten Tipps. Es ist von 3 und 4 Lagen Stickvlies die Rede, z.B. Bügelvlies + Klebevlies + Ausreißvlies und so weiter…

Auf diese Weise bastelst du dir ein unnötiges „Vlies-Brett“, welches deine Stickerei später „bockelhart“ werden lässt. Keine Stickerei benötigt gewöhnlich mehr als maximal 2 Lagen Stickvlies – und 2 Lagen nur, wenn man nicht mehrere Vliesstärken vorhanden hat.

Probiere im Fall eines hässlichen Faltenwurfs immer zuerst die Oberfadenspannung zu lockern. Du wirst begeistert sein, wie viel alleine das schon ausmacht ☺

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Die beiden Beispiele mit der Test-Satinraupe wurden in einer Rahmenspannung mit unterschiedlicher Oberfadenspannung gestickt. Damit ist ein verkehrtes Einspannen oder falsches Vlies fürs Projekt ausgeschlossen.
Verwendeter Stoff ist hier ein gewebter, ohne Elasthan.

Wie du wunderbar an den Beispielbildern erkennen kannst, ist die Oberfadenspannung sehr ausschlaggebend für eine schöne Stickerei.

Falls die OFS (Oberfadenspannung) zu locker ist, dann gibt das auf der Oberseite der Stickerei Schlaufen oder Schlingen. Auf der Rückseite ist dann kaum oder gar kein Unterfaden mehr zu sehen.

Was ist nun mit der werkseitigen Voreinstellung?

Es stimmt, dass Stickmaschinen vom Werk her „eingestickt“ werden. Das passiert mit bestimmten Stoffstücken, Vliesen und Garnmarken. Es stimmt jedoch nicht, dass du später deswegen die Oberfadenspannung nicht verstellen dürftest.

Nehme einmal an, in dem Werk wurde zum „Einsticken“ eine mittelschwere Webware (im Volksmund „Baumwolle“ genannt) verwendet. Du möchtest jetzt beispielsweise eine voluminösere oder weichere Wirkware (Jersey) besticken. Es ist dann völlig logisch, dass du für deinen Jersey auch ein entsprechendes Vlies unterlegst und damit völlig andere Stick-Bedingungen hast, als das Werk beim Einsticken.

Ergo musst du auch die OFS an dein Stickgut anpassen.

Mit anderen Worten – woher will das Werk wissen, was du später alles mal besticken möchtest? Eine universelle Einstellung für die OFS gibt es nicht, da Stickgut grundsätzlich unterschiedlich ist. Das eine mal ist es dicker, ein anders Mal ist es dehnbar und wieder ein anderes Mal ist es superfein (z.B. Organza…)

Die Erfahrung mit unterschiedlichen Stickmaschinenmarken zeigt, dass die Standard-Oberfadenspannung sehr häufig zu fest/stramm werkseitig eingestellt ist.

Was beeinflusst denn sonst noch die OFS?

Ein ganz großer Faktor der deine Oberfadenspannung ebenfalls beeinflusst, ist das Stickgarn.

Es gibt schier unzählige Stickgarne. Angefangen von Polyestergarnen über Rayon-, Metallic-, Hologramm-, Keramikgarnen bis hin zu Baumwoll- und Wollgarnen bekommst du eine Riesenauswahl. Alle diese Garne sind unterschiedlich aufgebaut oder haben unterschiedliche Stärken.

Im Bild hier drunter siehst du einige verschiedene Stickgarne: (v.l. Polyester, Metallic, Keramik, Rayon, Hologram, Metallic, Polyester). Durch die Nahaufnahme kannst du sehen, dass alle einen Unterschied aufweisen. Dieser Unterschied zeigt sich in der Zwirndrehung, der Stärke/Dicke oder des Materials.

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Jedes dieser Stickgarne läuft durch die Spannungsscheiben deiner Stickmaschine, um dann über die Nadel auf deinen Stoff zu kommen. Nun wird dir vielleicht klarer, dass die OFS immer wieder eingestellt werden sollte.

Es liegt auf der Hand, dass die Spannungsscheiben der Maschine mit anderem Druck aneinander „gepresst“ werden sollten, wenn du unterschiedliche Garne verwendest. Nur dadurch lässt sich für jeden Garntyp eine gleichmäßige Fadenabgabe verwirklichen.

Dennoch ist die Oberfadenspannung kein „Wunder- oder Allheilmittel“. Nicht alle unschönen Stickergebnisse lassen sich nur darauf zurückführen.

Fehlersuche bei unschönen/unsauberen Stickereien:

  • stimmt das Stoff-Vlies-Nadelverhältnis?
  • wurde ein geeignetes Vlies verwendet?
  • habe ich das Stickgut ordentlich und korrekt eingespannt?
  • ist die Nadel neu oder schon älter?
  • wurden die Fäden (oben und unten) richtig eingefädelt? (Bedienungsanleitung beachten)
  • ist die Maschine gründlich gereinigt worden? Kleinste Fussel sorgen gerne für große Probleme im Stichbild.
  • stimmt die Stickfußhöhe? (bei Maschinen mit verstellbarer Füßchenhöhe)
  • muss die Oberfadenspannung angepasst werden? (Probestick mit Satinraupe)

„…ich traue mich nicht wirklich…“

Du hast Angst, dass du an deiner Maschine etwas verstellst und sie damit schädigen könntest? Diese Angst ist bei der Oberfadenspannung unbegründet.

Wie eingangs schon von mir angemerkt, wenn diese Einstellungen für ein sauberes Stickergebnis nicht nötig wären, dann gäbe es die Möglichkeit nicht.

Gehe einfach an deine Maschine. Hole dir beispielsweise ein Freebie, welches vorzugsweise im Satinstich gestickt wird. Dieses sticke mit verschiedenen OFS-Einstellungen und schau‘ dir die Unterschiede an – besonders auf der Rückseite der Stickerei.

Wenn du magst kannst du dir notieren, welche Einstellung welches Ergebnis hervorruft. Auf diese Weise lernst du deine Maschine gut kennen und bist für die verschiedensten Stickprojekte gewappnet.

Ich hoffe sehr, ich konnte dir das Thema um die Oberfadenspannung ein wenig näher bringen. Wenn dir der Beitrag gefällt oder du Erfahrungen teilen kannst, dann schreibe gerne einen Kommentar dazu.

Immer ganz viel Freude mit deiner Stickmaschine und die herzlichsten Grüße 💖

Beate von der Elfenidee

Ein herzliches Dankeschön an Ulrike vom Honu-Blog für das Bereitstellen einiger Bilder in diesem Beitrag 💕

8 Kommentare zu “Oberfadenspannung: Was du wissen solltest!

    • Beate Demhold sagt:

      Dankeschön für die Rückmeldung und es freut mich sehr, wenn meine „Tipps & Tricks“ weiter helfen können ☺ LG – Beate von der Elfenidee

  1. Ulla Settino sagt:

    Versuche schon die ganze Woche Buchstaben auf Baumwolle zu sticken. Es verzieht sich immer, es sieht so aus wie auf dem Foto mit der zu strammen oberfadenspannung.
    Bei mir steht sie auf 4,0, wie weit muss ich sie denn verstellen?

    • Beate Demhold sagt:

      Liebe Ulla – das wirst du austesten müssen… Entweder über eine „Probedatei“, wie in dem Artikel beschrieben – oder du tastest dich an deiner Maschine stückweise heran. Ich weiß nicht, welche Maschine du hast – sticke einfach mal auf „3“… dann auf „2“ usw. – so lange, bis das Ergebnis zufriedenstellend ist. Vorteilhafter wäre, du würdest VOR dem Sticken eines Projektes deine Maschine richtig einstellen – dann gibt es keine unangenehmen Überraschungen ☺
      Voraussetzung ist immer, dass alle anderen Gegebenheiten passen (richtig eingespannt, richtige Nadel, Maschine sauber etc.) – die Checkliste dazu findest du auch im Artikel beschrieben.
      LG – Beate von der Elfenidee

    • Beate Demhold sagt:

      Vielen herzlichen Dank für die Rückmeldung. Das freut mich sehr, wenn der Tipp dir weiter helfen kann. LG, Beate von der Elfenidee

  2. Monika sagt:

    Vielen lieben Dank für diese Erläuterungen ! In der Tat habe ich auf meine Fragen bei Problemen bislang immer zu hören oder zu lesen bekommen, dass die OFS nicht verstellt werden sollte. Werde demnächst mal ein bißchen rumprobieren und glaube, dieser Tipp hier ist Gold wert !!!

    • Beate Demhold sagt:

      Vielen herzlichen Dank für die Rückmeldung. Ich wünsche dir viel Freude beim Ausprobieren und lese gerne wieder von deinen Erfahrungen. LG, Beate von der Elfenidee

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